Ich bleibe beim Taxi — aber jetzt mit hochgezogener Trennscheibe.
Du steigst ein. Das Taxi wartet. Du kennst den Fahrer nicht, der Fahrer kennt dich nicht. Du nennst das Ziel. Dann geht die Trennscheibe hoch, und du kannst nicht mehr mit ihm reden, bis das Taxi hält. Du schaust aus dem Fenster: ein Gewerbegebiet, ein Wohnviertel, hier fünfspurig, dort eng. Du beobachtest — steuern kannst du nicht.
Dann hält der Wagen. Und manchmal stellst du fest: Das ist nicht ganz die Adresse. Die Straße heißt ähnlich, aber die Hausnummer stimmt nicht. Also sagst du, wo du eigentlich hinwolltest. Trennscheibe hoch, weiter. Vielleicht stimmt es jetzt. Vielleicht nimmst du ein neues Taxi und fängst von vorn an.
So fühlt sich Programmieren mit KI an.
(Der Ehrlichkeit halber: Das Bild übertreibt. In der Praxis kann man durchaus dazwischenfunken, abbrechen, nachjustieren. Aber das Gefühl trifft es — der Einfluss auf den Weg ist viel geringer, als man es gewohnt ist. Du gibst das Ziel, und das Eigentliche prüfst du erst am Halt.)
Zwei Dinge folgen daraus.
Erstens: Die Kontrolle verschiebt sich von „während” zu „dazwischen”. Nicht jeder Schritt wird verhandelt, sondern das Ergebnis an jedem Halt. Das ist ungewohnt für jeden, der gelernt hat, jede Zeile selbst zu setzen.
Zweitens — und das ist subtiler: Du fährst durch Gegenden, die du nicht kennst. Ich baue heute Dinge in Programmiersprachen, die ich nicht beherrsche. Neulich ein kleines Werkzeug in Go — eine Sprache, von der ich die Grundlagen kenne und nicht mehr. Es tut genau das, was ich brauche. Und ich habe nur eine sehr vage Vorstellung davon, wie es das tut.
Das ist mächtig und gefährlich zugleich. Mächtig, weil plötzlich Türen aufgehen, die vorher verschlossen waren. Gefährlich, weil „es funktioniert” und „ich verstehe es” nicht mehr dasselbe sind.
Bei diesem kleinen Werkzeug ist mir das egal — es ist winzig, isoliert, es tut seinen Dienst. Bei einem System, von dem etwas abhängt, wäre dieselbe Haltung fahrlässig. Die eigentliche Kompetenz ist nicht mehr nur das Beherrschen einer Sprache. Es ist das Urteil, wann Verständnis Pflicht ist — und wann „es fährt” reicht.
Wie man dieses Urteil entwickelt, ist die Frage, an der sich Erfahrung zeigt. Eine fertige Regel gebe ich dir hier nicht. Aber merk dir den Unterschied zwischen dem Beifahrer, der die Stadt kennt, und dem, der nur das Ziel genannt hat. Beide kommen an. Nur einer merkt, wenn das Taxi falsch abbiegt.